Ke Nako!

Es war der 15. Mai 2004, der Tag, an dem der Weltfußballverband FIFA seine Entscheidung bekannt gab, die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika auszutragen. Dieser Beschluss hat wohl niemanden in Südafrika kalt gelassen.
Für einen Augenblick zeigte sich Südafrika, wie es sich gerne präsentieren möchte - eine stolze, bunte und erfolgreiche Gesellschaft. Doch nicht nur Südafrika feierte, der ganze Kontinent jubelte. Ohne den Fußball zu überschätzen: Die Austragung der Weltmeisterschaft erstmals auf afrikanischem Boden hat Signalwirkung. Afrika, das sich mit seinen Problemen, wie sie kaum eine andere Weltgegend kennt, im Stich gelassen fühlt, sah sich im Rampenlicht.

"Sport spricht eine Sprache, die Politiker nicht beherrschen." Das sagte der erste frei und allgemein gewählte Präsident Südafrikas, Nelson Südafrika FußballMandela, in einem Interview. Er wies damit auf Fähigkeiten des Sports hin, dem Land und seinen lange getrennten Gesellschaften ein gemeinsames Nationalgefühl zu vermitteln.

In Südafrika hat der Sport nach dem Ende der Apartheid 1994 diese Fähigkeiten verschiedentlich unter Beweis gestellt. Die politische Wende in Südafrika öffnete auch dem Sport die Tore zur Welt. 1995 fand die Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika statt. Das Rugby-Turnier wurde im eigenen Land ausgetragen; Südafrikas Mannschaft wurde Weltmeister. Der Auftaktsieg gegen Rekordmeister Australien entfachte eine landesweite Begeisterung, und als die Amabokoboko im Endspiel Neuseeland bezwangen, lagen sich Schwarz und Weiß in den Armen. In den Jahren der Apartheid wurde die südafrikanische Mannschaft im Ausland geschnitten. Das Turnier 1995 bleibt den meisten Südafrikanern und Südafrikanerinnen unvergessen.

Rugby war der Nationalsport der Weißen, Ausdruck vor allem für eine getrennte Gesellschaft und keineswegs ein Symbol der Einheit. Das änderte sich nun. Die Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika einigte das Land in einer nicht erwarteten Weise. Das gesamte Land stand ungeachtet aller Unterschiede hinter seiner Mannschaft.

Entscheidend war Nelson Mandelas Gespür dafür, diese Gelegenheit für die Versöhnung zu nutzen und dem Weltturnier quasi höhere Weihen zu verleihen. Der Präsident zog sich das grün-goldene Springbok-Trikot mit der Nr. 6 des Kapitäns Francois Pienaar über. Der würdigt in seinem Buch die herausragende Rolle Mandelas und sein Engagement während des gesamten Turniers: "Dass Mandela sich so für die Springboks ins Zeug geworfen hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Weniger, weil er Millionen von Schwarzen in Südafrika dazu gebracht hat, die Springboks anzufeuern. Über viele Jahre hinweg war die Mannschaft für sie geradezu ein Fremdkörper. Angst, Unsicherheit und Spaltung in Schwarz und Weiß schmolzen in dieser Umarmung dahin. Und uns wurde bewusst, wir können diese Nation zusammenbringen."

Zusammenspiel von Sport und Politik gibt es nicht. Sport weckt Emotionen. Sie zu nutzen liegt bei der Politik. Der Sport allein kann die Bindungskräfte nicht verstetigen, sondern nur ein Baustein beim Nation Building sein. Die WM 2010 kann den Ball wieder ins Spielfeld bringen. Es ist an der Zeit: Ke Nako!

Pieter Labuschagne



(Textauszug aus dem aktuellen SympathieMagazin "Südafrika verstehen", S. 46/47
© by Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.)

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